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Eick, Sambale, Toepfer Kontrollierte Urbanität Zur Neoliberalisierung städtischer Sicherheitspolitik EICK, SAMBALE, TOEPFER KONTROLLIERTE URBANITÄT ZUR NEOLIBERALISIERUNG STÄDTISCHER SICHERHEITSPOLITIK


Kommerzielle Sicherheitsdienste stellen weltweit einen boomenden Sektor dar. Das Marktforschungsunternehmen Freedonia Group aus Cleveland schätzt, dass allein in Deutschland bis 2013 über zehn Milliarden Euro Umsatz mit dem kommerziellen Sicherheitsgewerbe erzielt werden können (2006: 6 Mrd. ⁄) und die Zahl der Beschäftigten von rund 200.000 auf nahezu 300.000 ansteigen wird (ver.di 2006: 4). Der Weltmarktführer, die Group 4 Security (G4S), beschäftigt etwa allein in den urbanen Agglomerationen und Gated Communities auf dem afrikanischen Kontinent 82.000 seiner insgesamt 470.000 Beschäftigten (Alliance for Justice in diesem Band; vgl. Jones/Newburn 2006).

George Rigakos nimmt sich in explizit marxistischer Diktion des kommerziellen kanadischen Sicherheitsgewerbes an, dessen parapolizeiliche Befugnisse derzeit nicht nur diejenigen der europäischen Sicherheitsbranche bei weitem überragen, sondern auch mit der permanenten Kontrolle der Sicherheitsbeschäftigten selbst verbunden sind. Der Konsum von 'Sicherheit' bekommt so auch panoptische Qualität und verweist auf die Tendenz zur weiteren Durchtechnologisierung des kommerziellen Sicherheitsgewerbes.

Volker Eick beschäftigt sich in seinem Beitrag mit einer spezifischen Form von Crowd Control durch kommerzielle Sicherheitsdienste: dem »Migrantenmanagement durch Neigungsnazis«. Dabei ist die Kontrolle über Gruppen von Menschen ein voraussetzungsvoller Prozess, denn zunächst einmal müssen solche Gruppen überhaupt geschaffen, benannt und kriminalisiert werden, um sie einer (kriminal)politischen Bearbeitung im Rahmen eines institutionalisierten Rassismus zuzuführen (Cohen 1972; Belina 2006). Zu den eindrücklichsten Phänomenen in diesem Zusammenhang gehören die Erfindung und das Management von Migrantinnen und Migranten (Angenendt 1997; Marrus 1999). Weltweit wird von rund 50 Millionen Flüchtlingen ausgegangen (Evans 2005). Die Europäische Union beteiligt sich seit 2005 in Gestalt der paramilitärischen Organisation Frontex an der militärischpolizeiliche Bearbeitung ihrer Außengrenzen (Holzberger 2006). Alessandro De Giorgi (2006: xii) schreibt in seinem jüngsten Band von den »hundreds of migrants who constantly die at the borders of the 'Fortress Europe' while attempting to exercise a 'right to escape'« und von den »millions of prisoners confined in the 'American gulag'« sowie jenen »social groups – ethnic minorities, the unemployed, immigrants, refugees«, die als 'Kollateralschäden' der neoliberalen Ökonomie gehandelt werden: Ihr »lifehorizon«, so De Giorgi, »is defined by the borders of a local or global ghetto« (Hervorh. im Original). Kommerzielle Sicherheitsdienste spielen beim Management beider Ghettos an der Dienstleistungsperipherie und zunehmend in den Wohngegenden der Ausgeschlossenen eine wichtigere Rolle.

Nik Theodore, Nina Martin und Ryan Hollon betrachten in ihrem Beitrag die Installation von Videokameras, die mit blauem Stroboskoplicht arbeiten (Blue Cherries) und 'hören' können, sowie die damit parallel laufende Überwachung des öffentlichen Nahverkehrs durch kommerzielle Sicherheitsdienste in Chicago.24 Wenn, so die Autoren, der Terminus 'Rotlichtmilieu' eine diskriminierende Wirkung hat, dann ist mit CCTV und kommerziellem Wachschutz nun ein kriminalisierter 'Blue Light District' entstanden,25 ohne dass die Polizei wenigstens gesunkene Kriminalitätsraten nachweisen könnte; offensichtlich handelt es sich lediglich um Control und Containment Überflüssiger.

Schließlich dokumentieren wir den Bericht der Alliance for Justice at Group 4 Securicor, die sich in den Staaten Malawi, Mosambik und Südafrika mit den Arbeits und Lebensbedingungen von privaten Sicherheitskräften vertraut gemacht hat: Hungerlöhne, Rassismus, getrennte Toiletten für Schwarze und Weiße. Die Allianz hat eine Kampagne begonnen, einen Rechtshilfefond eingerichtet und sucht Unterstützung – wenig überraschend richtet sich der Schwerpunkt der Kampagne auf die Jahre 2010 und 2012: die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika und die Olympiade in London.

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4 Comments

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#3 Tom wrote at 24.10.2007 08:19 answer

Hi guys -

good work! My friend Andrew, who shot the picture on the title, just told me about it. It looks even more scary on your book than in the original ....

A minor correction in your "Danksagung": He lives in Vancouver, not in Toronto.

Rock on

/

Tom

#4 Jens wrote at 24.10.2007 19:20 answer

Thank you, Tom.

Seems like we are geographically challenged ...

We even send his copy to Vancouver!

I corrected it in the html and made a note for the PDF and a seond edition of the book.

Thanks again

/

Jens

#1 Thomas wrote at 21.10.2007 17:05 answer

Hallo,

mein englisch reicht nicht, ich schreibe auf Deutsch:

Ich habe Ihr Buch am Wochenden zur Hälte gelesen und es gefällt mir sehr gut, besonders die deutliche Sprache. Gratulation!

Allerdings habe ich auch einen fetten Fehler gefunden: In der Einleitung Fußnote 33, S. 26 muss es doch wohl heißen "Mississippi", oder? Rolleyes

#2 Jens wrote at 22.10.2007 18:26 answer

Hallo Thomas,

Deutsch ist prima bei einem deutschsprachigen Buch, das Englisch hat historische Gründe.

Glückwunsch! Du hast einen fetten Bug gefunden, ist uns arg peinlich Redface

Ich habe es heute überprüft, in einer frühen Fassung stand da "Mississippi" - allerdings falsch geschrieben, ich fürchte das ist uns im nächtlichen finalen Editieren durchgerutscht.

Im PDF habe ich es bereits korrigiert. Danke nochmal und sende uns gerne mehr!